Mastdarmvorfall
Auch Rektumprolaps genannt
Ein Mastdarmvorfall ist eine eher seltene Erkrankung, die überwiegend ältere Menschen betrifft.
Besonders häufig sind Frauen betroffen – etwa 80–90 % aller Fälle. Nur in Ausnahmefällen tritt die Erkrankung bei Kindern auf, meist im Alter unter drei Jahren.
Normalerweise ist der Mastdarm (Rektum) im Becken durch Bänder und Muskeln stabil befestigt. Wenn diese Haltestrukturen geschwächt werden, kann sich der Mastdarm nach außen vorwölben.
Ursachen für eine solche Schwächung sind vor allem:
- Hohes Alter – das Gewebe verliert an Festigkeit.
- Chronische Verstopfung – dauerhaftes Pressen belastet die Befestigung.
- Geburtsverletzungen – z. B. nach schweren oder mehrfachen Geburten.
- Bindegewebsschwäche – angeboren oder erworben.
- Sehr selten angeborene Fehlstellungen des Mastdarms.
Bei einem Vorfall stülpt sich der Mastdarm in sich selbst hinein – Fachleute nennen das „Intussuszeption“. Man kann sich das vorstellen wie eine Socke, die nach innen umgestülpt wird: Das Innere tritt nach außen.
Typische Beschwerden:
Die Symptome ähneln oft einem Hämorrhoidalleiden, was zu Verwechslungen führen kann:
- Nässen am After oder Juckreiz
- Druck- oder Fremdkörpergefühl im After, besonders beim Stuhlgang
- Gefühl einer unvollständigen Entleerung
- Blutungen aus dem After
- Stuhlentleerungsstörungen
- Mit der Zeit kann der dauerhafte Druck auf den Schließmuskel dazu führen, dass dieser geschwächt wird.
- Die Folge ist eine Stuhlinkontinenz – ungewollter Abgang von Stuhl oder Schleim.
- Je ausgeprägter der Vorfall, desto stärker ist meist die Inkontinenz.
- Ein vollständiger Mastdarmvorfall führt fast immer zu Stuhlinkontinenz.
- Ein teilweiser Vorfall verursacht nicht zwingend Inkontinenz, aber oft Schleimabgang.
- Ein vollständig nach außen getretener Mastdarmvorfall ist in der Regel schon mit bloßem Auge deutlich zu erkennen.
Einteilung in Stadien:
Ärzte unterteilen den Mastdarmvorfall in drei Schweregrade:
- Stadium I (1. Grad): Der Vorfall endet oberhalb des Afterkanals (Linea dentata).
- Stadium II (2. Grad): Der Vorfall ragt in den Afterkanal hinein.
- Stadium III (3. Grad): Der Vorfall tritt sichtbar nach außen.